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CSD Trier 2011: Nicht von schlechten Eltern

Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle sind in Deutschland immer noch nicht gleichberechtigt. Besonders was Partnerschaften und Familienplanung anbelangt, sind sie immer noch nicht gleichgestellt mit heterosexuellen Paaren. Um diese Ungerechtigkeit zu thematisieren, stand der Trierer CSD 2011 unter dem Motto „Nicht von schlechten Eltern.“

Trotz schlechten Wetters und ständigen Regengüssen kamen um die 600 Menschen am Samstag, den 18. Juni auf den Kornmarkt und feierten zusammen den Christopher Street Day. Der Christopher Street Day ist nach einer New Yorker Straße benannt, in der sich die Schwulen-Bar Stonewall Inn befand. Nach vermehrten Razzien und gewalttätigen Übergriffen der Polizei auf Homosexuelle, wehrten sich diese am 28. Juni 1969 gegen die Repressionen. Dieser Befreiungsschlag für mehr Emanzipation wird seitdem als schwul-lesbischer Gedenktag gefeiert.

Und heute 42 Jahre nach dem Aufstand in der Stonewall Bar sind in den meisten westlichen Länder viele Verbesserungen eingetreten. Die staatliche Gewalt ist nicht mehr in Form von prügelnden Polizisten anwesend, jedoch in Form diskriminierender Gesetz stets präsent. So gibt es zwar in Deutschland eine „Eingetragene Partnerschaft“ für gleichgeschlechtliche Paare. Aber es ist eine Partnerschaft der Benachteiligungen: Es gibt kein Ehegattensplitting, so dass diese Beziehungen steuerlich benachteiligt werden; es gibt kein Adoptivrecht und auch die Stiefkindadoption werden Paaren unendlich erschwert.

„Es ist eine Schande, dass Menschen, die einander lieben, nur auf Grund ihrer Sexualität immer noch diskriminiert werden und dass ihnen Grundrechte einfach vorenthalten werden. Gerade der Wunsch eine Familie zu sein, ist ein Grundrecht.“ kommentiert Bundestagsabgeordnete Katrin Werner und macht sich für eine einheitliche europäische Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften stark. „Wir müssen nur mal über unsere europäischen Grenzen schauen und sehen, was dort möglich ist. Belgien hat das Adoptionsrecht, in Großbritannien, Spanien und Schweden ist eine Gleichstellung zur Ehe erfolgt. Wir sollten endlich anfangen, diese Gesetze in Europa zu harmonisieren. Damit bringen wir die Emanzipation von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa voran.“

Während auf der Bühne ein Mix aus Unterhaltungsshow und politischer Talkrunde stattfinden, sind an den Ständen der Parteien und Vereine, die am CSD in Trier Flagge zeigen, spannende Diskussion mitzuhören. Am Infostand von DIE LINKE wird heiß diskutiert. Viele fragen nach, wie man Homo- und Transphobie überwinden kann. Einig ist man sich, dass wesentlich mehr an Aufklärungsarbeit in der Schule geleistet werden müssen. Man teilt die Einschätzung der LINKEN, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung bei diesem Thema überhaupt nicht gehandelt hat. So liegt der Sexualkundeunterricht in der Hand von Biologie- und RelgionslehrerInnen, die aber im seltensten Falle für Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe und für die Vielfalt der Geschlechtsidentität werben.

Positiv überrascht zeigen sich viele von dem Vorstoß der LINKEN, Menschenrechte in Deutschland zu überprüfen. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit!“ sagt Katrin Werner, sie hat den Antrag „Vom Anspruch zur Wirklichkeit: Menschenrechte in Deutschland schützen, respektieren und gewährleisten“ maßgeblich initiiert. „Es kann nicht sein, dass Transsexuelle sich zwangssterilisieren lassen müssen, nur weil sie ihren Personenstand ändern wollen. Genauso unmenschlich ist die Praktik, intersexuelle Kinder nach der Geburt auf ein Geschlechtsmerkmal festzulegen, bevor diese überhaupt eine sexuelle Identität ausgebildet haben. Hier wird die Würde des Menschen verletzt.“

DIE LINKE und ihre Positionen im Bundestag kommen sichtlich an. Infomaterialien gehen zuhauf über den Tisch. Trotz der Entwendung der vier Regenbogenbanner drei Tage vor dem CSD ist die Stimmung ausgelassen und viele Menschen, ob hetero-, homo-, bi-, trans- oder intersexuell bekennen durch ihre Anwesenheit Flagge. Einige tragen Buttons mit Aufdrücken „Unheilbar hetero“, andere kleben sich Sticker mit der Regenbogenfahne auf die Jacke und sehr stark gefragt sind die Buttons der LINKEN mit den Aufschriften „Homo-Sozial“ und „Trans-Sozial“.